Heiße Nächte in den Anden
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Doch zunächst geht es ins FULLANOS, Tischfussball gegen Mexiko! Und nach den ersten beiden PISCO SOUR wird zum Tanzen ins TAMBO gewechselt. Zum zwischenzeitlichen Erholen bietet die EXTREME BAR gute Gelegenheit. Hier kann man nachlesen, welche Prominenz sich in den vergangenen Jahren an den Wänden verewigt hat. Hinter dem Tresen hängt ein abgetragenes T- Shirt: „First Soviet- American K2- Expedition“, auch sonst sind die Leute hier sehr nett zueinander, man spielt JENGA und schreibt Sprüche an die Wand: „Fat people are harder to kidnap“, - ich muss schmunzeln. Aber genug gesessen, wer jetzt noch Ambitionen hat, lässt sich am besten noch auf ein paar Stündchen Salsa im 13 BUHOS ein. Bald wird es hell. Ein Ruhetag in HUARAZ! Dabei sind wir gestern gerade von der ersten, knapp zweiwöchigen Tour zurückgekommen, Schlaf würde kaum schaden. Nach der Akklimatisation am 5326m hohen MAPARAJU, stand der SAN JUAN auf dem Programm. Über den Nordwestgrat sollte es zum 5843m hohen Gipfel gehen. Nur leider schoben uns unerwartet hohe Schwierigkeiten und ein stark veränderter Gipfelaufbau in 5700m Höhe einen Riegel vor. Nach einer 80°- Seillänge schien uns der Weiterweg zu heikel. Es war nun Zeit, die Sechsergruppe in zwei Dreierteams zu spalten. Jörg Schubert, Uwe Seifert und Stefan „Scott“ Werner wandten sich dem selten besuchten Sechstausender Namens CHINCHEY zu, während Paul Saß, Stefan Hentschel und ich die Aufmerksamkeit auf den spitzen CAYESH richteten. Im Endeffekt gelang uns die Wiederholung der Route von Malte Roeper und Jörg Steinsberger in der Westwand des Berges. „Daheim sterben d´Leut“. Den beiden gelang vor 18 Jahren neben der fünften Besteigung des Gipfels auch die logischste und wohl leichteste Tour an diesem famosen Berg. Aus Zeitgründen mussten wir leider auf den Ausstieg auf die Gipfelwächte verzichten, wir hatten auf Schnelligkeit gesetzt und waren ohne Biwakzeug darauf angewiesen, noch am selben Tag abzuseilen, denn Biwaknächte in den Anden sind alles andere als heiß! Zur gleichen Zeit konnten die Jungs drüben am Chinchey wegen hüfttiefem Schnee leider nur eine Höhe von 5700m erreichen. Doch zurück nach Huaraz. Die Tanzmuskeln werden auch mal müde, so dass bereits drei der eingangs beschriebenen Ruhetage dafür sorgen, dass man sich vom Ausruhen ausruhen muss. Es geht zum HUASCARAN, dem höchsten Haufen hier in der Kette. Auf Grund seiner 6768m spielt hier die Höhe schon eine größere Rolle. Wir wollen von Musho (3030m) relativ geradlinig über das so genannte „Escudo“ aufsteigen. Hier in Musho beweist Paul aber erst noch, dass man mit überschüssigen Kräften beim Latrinebesuch ein Porzellanklo zum bersten bringen kann. Wie ihm dies gelang, bleibt aber unser kleines Geheimnis. Stefan musste im Übrigen wegen einer Grippe in Huaraz bleiben, Stefan „Scott“ fühlt sich auch nicht recht wohl, so steigt er am Tag zwei alleine ab. Als dann aber auch Paul langsam Durchfall bekommt und ich am Vorabend vor dem Gipfeltag meinen kompletten Mageninhalt auf den Gletscher entleere, kommen Zweifel auf. Irgendwas spielt hier doch gegen uns? Aber Säcke hängen nun für dieses Jahr eigentlich genügend, zudem haben wir zu viert zwei Stunden gebraucht, um unser Lager in 5800m Höhe in solides 30°- Gelände zu hacken. Wir müssen da hoch! Der Verfassung entsprechend qualvoll stemmen wir uns in 7-stündiger Arbeit die Flanke hinauf. Bis auf eine 20m Blankeispassage bleibt das Seil im Rucksack. Jeder hat mit sich zu tun. Aber: „The restaurant at the end of the universe provides the ultimate gastronomic experience…“ würde zumindest DOUGLAS ADAMS sagen. Dort angekommen, finde ich nichts dergleichen vor, sondern schiebe mir lediglich einen gefrorenen Müsliriegel zwischen die Zähne. Vor Erschöpfung nicken einige am Gipfel gleich mal für ein Viertelstündchen ein. Wie üblich kommt die Freude über den Erfolg erst später. Nichts wie runter! Da aber der Normalweg wegen unpassierbaren Spalten nicht in Frage kommt, müssen wir dieselbe Route absteigen, bzw. im unteren Teil 6 x 60m an Eissanduhren abseilen. Geschafft! Während des langen Abstiegs ins Tal sortieren sich die Gedanken. Es gibt da so einige Sachen, die unbedingt erledigt werden müssen: 1.) Pollos a la brasa (Grillhähnchen würde der deutschsprachige Peruaner sagen) 2.) Churros und zwar möglichst viele 3.) Tambobesuch mit Tanzeinlagen, um die Knochen wieder zu lockern 4.) der Rest ergibt sich dann von selbst, ein Rockkonzert in einer der Bars wäre geeignet. Ruhetage in Huaraz, oh Herz, was willst du mehr? „Dank“ einer etwas untypischen Schlechtwetterphase dehnen sich die folgenden Tage hin zu einer ganzen Woche. Das hat den Vorteil, dass wir den Annehmlichkeiten des Lebens nachgehen können, und es hat den Nachteil, dass wir ein kleines Bisschen darauf hinarbeiten, später mal Alkoholiker zu werden. Neben PISCO SOUR wird nun auch der fabelhaft schmackhafte Drink namens ALGARROBINA gern genommen. „Ok, das ist Huaraz! Ist doch aber gar kein Problem…“ denke ich mir, während ich beobachte, wie eine Frau mit Rock im stehen auf den gut besuchten Betonbürgersteig uriniert. Also im sitzen hab ich das ja schon öfters gesehen, aber im stehen? Das erschreckt mich dann doch für die ersten Sekunden. Aber auch in anderen Lebenslagen ticken die Uhren in Peru etwas anders. Wir standen zu sechst mit unseren riesigen Rucksäcken in Mancos, auf der Suche nach einem Lift hinauf nach Musho. Da bietet uns doch tatsächlich ein Taxifahrer an, uns alle mit Gepäck in seinem TOYOTA- PKW diese miese Straße dort hinauf zu verfrachten. Wir winken ab, aber er lässt nicht locker. Also gut, wollen wir mal sehen, wie er das schafft. Im Endeffekt gibt es zwar nur noch wenige Kubikzentimeter Luft in der Fahrgastzelle, aber alles ist drin. Nur das Schalten fällt ihm etwas schwerer, denn den Beifahrersitz muss ich mit Paul teilen. Ab und zu aufsitzen ist übrigens auch keine ernste Sache, ich glaube man muss sich nur ein großes Extrablech an den Boden schweißen lassen. Man lernt also viel dazu, wenn man eine Reise tut. Nur weis ich nicht recht, ob ich gelernt habe, dass Autos viel mehr aushalten, als man denkt, oder ob Toyotas viel mehr aushalten, als andere Autos? Nachdem nun Jörg und Stefan „Scott“ bereits auf der Heimreise sind und Stefan noch immer keine Kletterbereitschaft hergestellt hat, müssen wir übrigen, nur noch zu dritt, an unser hochgestecktes Hauptziel fahren. Die JAEGERroute am 6001m hohen CHACRARAJU ESTE wurde gewählt um im steilen Eis- und Mixedgelände noch mal die Sau rauszulassen. Aber die Sau bleibt drinnen, denn die Schneefälle der letzten Woche verunsichern uns mit kleineren Lawinen, die wir vom Hochlager aus beobachten müssen. Als dann noch dazu mein Magen- Darm- Trakt instabil zu arbeiten beginnt, ist es ganz aus, wir steigen ab! Lediglich Paul, der trotz der schon zerstörten Toilette immer noch überschüssige Kräfte besitzt, steigt über den Nordwestgrat auf den 5400m hohen YANAPACCHA. Unsere kleine Enttäuschung kann in Huaraz schnell mit Churros ausgesöhnt werden. Der Chacraraju wartet also noch und lockt mich wohl eines Tages zu einem fünften Peru- Besuch, denn „Chacra es Chacra …. “ wie Dionisio, unser alter Freund am Souvenirstand so schön mir erhobenen Händen nach unserer Rückkehr verkündet. Doch bevor wir endgültig dieses liebenswerte Land, mit zwei schönen Erfolgen im Rucksack, verlassen, stürzen wir uns für das letzte Mal ins Nachtleben von Huaraz. Ruhetage hatten wir am Chacraraju genügend. Axel |