Point Ferine (2900m), „Nordostwand“, 500m, D-, 50°-55°, Stufen 65°, kurz mixed




20. Mai 2004, Axel Grußer

Überblick:
Der Gipfel steht am Kahiltnagletscher an der West Butress Route am Denali. Man findet ihn links (westlich) vom Ski Hill Camp. Es ist ein hübscher Berg, der sehr gut für eine Akklimatisationstour geeignet ist, da er sich unweit vom Camp befindet. Niemand wird wegen diesem Berg anreisen, aber entlang des Aufstieges zum Denali bietet er eine willkommene Abwechslung.
Wie überall an den großen Weltbergen werden auch hier, die zum Teil erheblich niedrigeren Nachbargipfel von den meisten Leuten ignoriert.
Jaques „Ferine“ Batkin war ein französischer Alpinist, der während eines Versuchs der ersten Winterbesteigung des Denali 1967 nahe diesem Gipfel gestorben ist. Die beschriebene Tour ist nur eine von mehreren lohnenden Linien, die man vom Ski Hill Camp aus machen kann. Welche begangen wurden weis ich nicht, vielleicht alle, vielleicht keine? In der Talkeetna Ranger Station gab es keine Angaben.
Ich startete meinen Rundtrip 21:00 Uhr „after coffee and cigarette“. Die langen Tage im Norden machen das möglich. So braucht man bei der Odyssee zum Denali nichtmal einen Extratag einplanen. 23:15 war ich zurück. Aber als Seilschaft und bei ggf. schlechteren Bedingungen sollte man mehr Zeit einplanen.
Die Szenerie aus dieser Route ist fantastisch, zur Linken der Mount Hunter und im Rücken die Südwand des Denali, das Ganze bei Mitternachtssonne vergisst man so schnell nicht.


Routenbeschreibung:
Vom Camp überquert man den Gletscher nach Westen, oder Südwesten, das hängt von der genauen Lage des Lagers ab. Nahe der Wand gibt es einige Spalten, man umgeht sie am besten im Rechtsbogen und quert dann nach links zurück unter die Wand und zum Bergschrund.
Die Route verläuft entlang der Eis- und Schneerinnen links des zentralen Felspfeilers. Möglicherweise ist es am leichtesten von links nach rechts zu traversieren, aber man erreicht die Rinnen auch direkt über eine sehr kurze Mixedpassage und kurze steilere Eisstufen (65°).
Ab dem Bergschrund steigt man einen kurzen 45° Hang an um einen schmalen Eisgully zu erreichen, der es nötig macht, an einigen Stellen die Felsen zu nutzen. Oberhalb folgen einige 65° Stufen, bis man den eigentlichen Gully erreicht. Diesem folgt man bis zum abschließenden Hang. Hier gibt es die einzige Unterbrechung in der Wächtenlinie. Man erreicht den Gipfel direkt oberhalb. Von hier gibt es einen grandiosen Rundblick.
Für den Abstieg ist der Ostgrat eine gute Wahl. Der Grat bietet eine natürliche, gut erkennbare Linie hinunter, aber Achtung auf Wächten!
Der erste Teil ist der steilste, ich fand schlechte Bedingungen (tiefen Schnee mit fester Kruste), aber auf dem Arsch ging es ganz gut ohne einzubrechen.
Im unteren Teil sollte man den Grat so schnell wie möglich nach links über steileres Gelände verlassen. Andererseits bekommt man einen schwierigeren Rückweg zum Zelt, da man in eine sehr spaltenreiche Gegend absteigen würde.
Wieder unten umrundet man die Spaltenzone im linksbogen, um den flachen Gletscher zu erreichen.


Ausrüstung:
Als Seilschaft ist man mit einigen Schrauben und evtl. einigen Schneeankern für die oberen Seillängen gut ausgerüstet. Natürlich braucht man noch ein Seil dazu, sonst machen die Schrauben wenig Sinn.

der Routenverlauf