Dofana Peak (5940m), „Südwestgletscher“, 1700m, D, 50°-55°




21.-22.06.2007 Christian Walter, Paul Saß, Annette Longo, Jörg Schubert, Martin Schörken, Axel Grußer

Überblick:
Der Dofana Peak ist der höchste Gipfel der Deosai-Kette, der etwa 45 km nordöstlich des Nanga Parbat, im nordwestlichen Zipfel des pakistanischen Himalaja liegt. Die DOFANA-Gruppe ist durch eine markante Schleife des Flusses Indus vom Karakorum im Norden und dem Hindukush im Westen getrennt. Im Süden wird sie durch das tief eingeschnittene Astor-Tal vom Nanga-Parbat-Massiv geteilt.
Vor unserer Erstbesteigung ist die DOFANA-Gruppe zwei Mal zu bergsteigerischen Zwecken aufgesucht worden, in den Jahren 1976 und 1982. In beiden Fällen waren es japanische Expeditionen, die sich erfolglos an der Besteigung des Berges versucht hatten. Im Jahr 1976 kamen die japanischen Bergsteiger sowohl über die Westseite als auch über die Nordostflanke jeweils bis etwa 400m an den Gipfel heran. 1982 ging die zweite Expedition ebenfalls von Nordosten an den Berg. Wegen schlechten Verhältnissen blieb der Gipfelerfolg jedoch aus und ein Nebengipfel mit dem Namen Shany oder Sheny und der Höhe von 5569m oder 5580m (je nach Karte) erfuhr seine erste Besteigung.
Wir planten den Berg zuerst über die Westseite zu besteigen, wo wir klassisches kombiniertes Gelände erwarteten. Wir erhofften uns dabei, einen markanten, etwa 500m hohen Pfeiler genauer erkunden zu können und einen sicheren Abstieg zu finden. Danach wollten wir eine Route an diesem Pfeiler versuchen. Wir erwarteten dort anspruchsvolle Felskletterei in kompakter Granitwand. Der Versuch (durch Christian und Paul) scheiterte allerdings wegen extremem Steinschlag.


Zustieg zum Basislager:
Noch vor Dashkin überquert man den Astor-Fluss südöstlich vom eigentlichen Taleingang auf einer soliden Brücke (1900m). Es zieht hier ein steiler Weg in mehreren Serpentinen über den 700m hohen Hang zu einer Art Sattel. Man folgt nun dem leicht absteigenden Weg zum Talgrund und weiter an einigen Hütten vorbei bis zur Gabelung, an der sich das Dichil-Tal in ein nördliches und ein östliches Tal verzweigt (ca. 3000m). Das linke (nördliche) Seitental führt unter die Südwestseite des DOFANA PEAK.
Der Pfad führt zunächst am nordwestlichen Hang entlang und quert später auf die gegenüberliegende Flussseite. Er wird mit der Höhe zunehmend undeutlicher. Der günstigste Platz für ein Basislager befindet sich auf 3800m direkt unter einer auslaufenden, grün bewachsenen Moräne, welche sich am aufwärts gesehen linken (orographisch rechten) Talrand befindet. Dieser Platz ist weitestgehend eben und gut vor Wind geschützt. Wasser kann aus dem Bach in unmittelbarer Nähe entnommen werden.


Routenbeschreibung:
Direkt am Basislager beginnt ein Pfad auf den Kamm der bewachsenen Moräne. Man hält sich immer auf dieser Moräne bis zu deren Ende (500 Hm). Hier befinden sich brauchbare Zeltplätze (4300m). Wir mussten leichte Erdarbeiten durchführen, daher der Name „Agro-Camp“.
Die von uns gekletterte Route ist gewissen objektiven Gefahren ausgesetzt. Sowohl Eisschlag, der aber durch geschickte Routenwahl gering gehalten werden kann, als auch Steinschlag im unteren Teil des Gletschers gehören dazu. Dieser Teil sollte keinesfalls bei Sonneneinstrahlung begangen werden (Mitte Juni ca. ab 9:00Uhr)!
Als Ausgleich dazu bietet der gesamte Aufstieg durch das nach Südosten geöffnete Tal einen perfekten Ausblick auf die Rhakiotseite des Nanga Parbat.
Vom Gipfel überblickt man bei klarer Sicht den gesamten Karakorum von Rakaposhi über Haramosh, Masherbrum und K2 bis hin zu Broad Peak und den Gasherbrum-Gipfeln.
Vom „Agro-Camp“ (4300m) hat man zwei Möglichkeiten den Gletscher zu erreichen: 1. Durch Rechtsquerung direkt zur Gletscherzunge und geradewegs nach oben (bei Blankeis nicht zu empfehlen!) und sonst auch nur sehr früh, wegen Steinschlaggefahr!
2. Über den Rücken am orographisch rechten Gletscherufer. Dann betritt man den Gletscher bei ca. 4600m. Diese Variante sollte allerdings vorher erkundet werden, da sie nicht so leicht zu finden ist. Man steigt dazu zunächst in Verlängerung der Moräne auf und später rechts hinauf in den felsdurchsetzten Hang. Weiter oben haben wir Steinmänner errichtet, die im Wesentlichen rechtsquerend bis auf den Gletscher leiten.
Von hier den Gletscher mittig aufwärts steigen (bis 40°). Sowohl von links, als auch von rechts Eisschlaggefahr! Später links an einer Felsinsel vorbei auf einen markanten Firnsattel zu. Knapp 50 Hm und leicht rechts vor dem Sattel finden sich die flachsten Hangpartien für ein Hochlager (5250m) bei etwa 30° Hangneigung ?. Im Sattel selbst gibt es keine geeigneten Plätze (ausgesetzt, teils überwächtet).
Vom Hochlager steigt man am besten parallel zum Grat auf, bis man über der letzten breiten Seracbarriere nach rechts queren kann. Man quert soweit, bis man die günstigste Stelle erreicht, um zwischen den zwei Felspfeilern (die vom SW- Gipfel und vom NW-Gipfel herabziehen) über den steilen Gletscher aufzusteigen (55°). Nach dem ersten Steilaufschwung hält man sich links nahe an den Felsen vom NW-Gipfel, um sowohl die einfachste Linie zu finden, als auch der Eisschlaggefahr aus dem Weg zu gehen (konstant 50°).
Bei etwa 5880m erreicht man den flachen Firnsattel zwischen NW- und SW-Gipfel. Man sieht nun auch den SO-Gipfel. Alle drei Gipfel sind ähnlich hoch und kronenförmig angeordnet. Der höchste ist mit 5940m der NW-Gipfel, welchen man über einen einfachen Hang (40°) vom Sattel aus erreicht. Direkt am Gipfel Vorsicht wegen Wächten! Geschafft!
Wir hatten an vielen Passagen sehr harten Firn bzw. teilweise Blankeis. Möglicherweise ist es günstiger, etwas früher im Jahr zu kommen, auch der untere Gletscherteil dürfte dann um einiges angenehmer sein.


Ausrüstung:
Neben der üblichen Westalpenausrüstung hatten wir je Seilschaft 2 Firnanker, einige Felshaken, 7 Eisschrauben, Reepschnurmaterial zum Abseilen, Abalakov-Eissanduhrfädler und Schneeschaufel dabei.


der Routenverlauf


"vollständiger Expeditionsbericht zum ansehen & download"